Aus dem umfangreichen Literaturangebot zum Themenbereich der sozialistischen Diktaturen beschränkt sich die hier vorliegende Auswahl - entsprechend des Arbeitsschwerpunktes der Beratungsstelle Gegenwind - auf das Gebiet der "Traumatisierung in Folge von politischer Repression".
Veröffentlichungen aus der Arbeit von Gegenwind
Presseberichte über die Beratungsstelle Gegenwind
K. Behnke und S. Trobisch-Lütge
Panik und Bestürzung auslösen
Die Praxis der ›operativen Psychologie‹ des Staatssicherheitsdienstes und ihre
traumatisierenden Folgen
In: K.-D. Müller und A. Stephan (Hg.)
Die Vergangenheit
lässt uns nicht los. Haftbedingungen politischer Gefangener in der SBZ/DDR und deren
gesundheitliche Folgen, S. 173-195
Berlin 1998 (Berlin Verlag)
K.-D. Müller und A. Stephan (Hg.)
Die Vergangenheit lässt uns nicht los.
Haftbedingungen politischer Gefangener in der SBZ/DDR und deren gesundheitliche Folgen
Berlin 1998 (Berlin Verlag)
P. Morawe (Hg.)
Zwischen den Welten
Psychosoziale Folgen kommunistischer Herrschaft in Ostmitteleuropa.
Baden-Baden 2004 (Nomos)
Stefan Trobisch-Lütge
Das späte Gift
Folgen politischer Traumatisierung in der DDR und ihre Behandlung
Mit einem Vorwort von Marianne Birthler.
Gießen 2004 (Psychosozial-Verlag)
Auch über zehn Jahre nach dem Ende der DDR lässt die Diktatur der SED viele Menschen nicht los.
Die Langzeitfolgen für die Psyche ehemals Verfolgter wurden für diese oft erst in den letzten Jahren spürbar, so z.B.
nach dem Einsehen ihrer Stasi-Akten. Dieses Buch bietet einen der bisher seltenen Einblicke in die Ausmaße
der hervorgerufenen traumatischen Spätfolgen von Verfolgung aus Therapeutensicht.
Vor allem durch eine genaue Analyse der traumatisierenden Weitergabe seelischer Deformation
wendet es sich gleichermaßen an Betroffene und deren Angehörige, professionelle Helfer und interessierte Laien.
K. Behnke und J. Fuchs(Hg.)
Zersetzung der Seele
Psychologie und Psychiatrie im Dienste der Stasi
Hamburg 1995
S. Priebe, D. Denis und M. Bauer (Hg.)
Eingesperrt und nie mehr frei.
Psychisches Leiden nach politischer Haft in der DDR
Darmstadt 1996 (Steinkopff)
H. G. Freyberger, G. Frommer, A. Maerker, und R. Steil
Gesundheitliche Folgen politischer Haft in der DDR
Meißen 2003 (Thieme)
H.-E. Zahn
Haftbedingungen und Geständnisproduktion in den Untersuchungshaftanstalten
des MfS
Psychologische Aspekte und biografische Veranschaulichung
Schriftenreihe der Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Band 5
Berlin 2007
D. Denis, M. Nowak und S. Frübe
Psychische Störungen nach politischer Inhaftierung in der DDR
Berlin 2000
A. Maercker
Posttraumatische Belastungsstörungen
Psychologie der Extrembelastungsfolgen bei Opfern politischer Gewalt
Lengerich 1998 (Pabst)
Süddeutsche Zeitung 28.08.1998
Die Welt 08.10.1998
Berliner Zeitung 20.10.1998
Tagesspiegel 26.10.1998
Frankfurter Rundschau 03.02.1999
Der Spiegel 21.06.1999
Stacheldraht
Angriff auf die inneren Bilder
Nr. 9/2004
Interview mit Stefan Trobisch-Lütge
(PDF-Datei)
Psychologie heute
Seelenmord
November 2006, Jahrgang 33, Heft 11
Stasiopfer: Trauma und Therapie
(PDF-Datei)
Süddeutsche Zeitung
Traumatisiert von der Stasi
Seit dem Mauerfall brauchen viele DDR-Bürger psychologische Hilfe
28.08.1998
"Es gibt einen ungeheueren Bedarf an Koordination und an Professionalisierung der Hilfe".
sagt der Pressesprecher der Gauck-Behörde, Johann Legner. Seit frei zugänglich ist, was der Geheimdienst
über die Bürger der DDR zusammengetragen hat, können die vor allem ehrenamtlich arbeitenden Vereine,
Verbände und Initiativen den Anfragen und Bitten von Stasi-Opfern um psychologische Hilfe nicht mehr
angemessen nachkommen. Anfang Juli eröffnete die bundesweit erste "Beratungsstelle für politisch
traumatisierte der DDR-Diktatur".
Sie nennt sich Gegenwind und sitzt im künftigen Regierungsbezirk Berlins, im Arbeiterquartier Moabit.
Die Psychologen Reinhild Hölter und Stefan Trobisch bieten Hilfe können in entschädigungsrechtlichen
Fragen helfen, sie leiten Selbsthilfegruppen an und leisten psychotherapeutische Behandlungen. Viele, die
in der DDR dem Regime mißliebig auffielen, gefangen genommen und nach der Haft in den Westen abgeschoben
wurden, entwickelten erst seit dem Fall der Mauer und der Einsicht in ihre Stasi-Akte Symptome einer
"posttraumatischen Belastungsstörung" wie Depressionen oder Angstzustände. (...)
Die Welt
Bis heute traumatisierte, mißtrauische Persönlichkeiten
Über die anhaltenden Folgen der "Folter light", Marke DDR - Ein
Psychologe erzählt von seinen Jahren im Berliner Stasi-Knast
08.10.1998
(...) Gewisse Erfolge erzielt seit 1995 die Beratungsstelle für politisch
Traumatisierte der DDR-Diktatur, "Gegenwind", in der Bredowstraße in Moabit. Getragen vom Deutschen
Paritätischen Wohlfahrtsverband leisten hier zwei Psychologen "Erste Hilfe" und vermitteln
Kontakte zu Therapie- und Selbsthilfegruppen; auch Beratung in rechtlichen und sozialen Fragen
wird hier geboten. So wachsen die Wunden allmählich zu. (...)
Berliner Zeitung
Hunderte von DDR-Opfern suchen Hilfe
20.10.1998
(...) Im Juli gründeten die beiden Diplompsychologen Reinhild Hölter und
Stefan Trobisch die nach eigenen Angaben bundesweit einmalige Beratungsstelle "Gegenwind" für "politisch
Traumatisierte der DDR-Diktatur" in Berlin. Mehrere 100 Anfragen seien von ihnen in den vergangenen
Monaten beantwortet worden, sagte Hölter. Etwa 50 Betroffene suchen regelmäßig Kontakt zu den beiden Psychologen.
(...)
Den Opfern von Verfolgung, Inhaftierung, Unterdrückung und psychischer Zersetzung soll
dabei der Einstieg in die Beratung so leicht wie möglich gemacht werden: "Gegenwind" liegt im
Westteil Berlins, und die beiden Psychologen sind ebenfalls "aus dem Westen", eine mögliche
Nähe zum SED-Staat soll von vornherein ausgeschlossen werden. (...)
Der Tagesspiegel
Wenn die DDR die Nerven zerstört hat
Zwei Psychologen beraten Menschen, die noch heute an Haftfolgen und Stasi-Terror leiden
26.10.1998
Berlin. Das Büro liegt neben einer Wohnung. Weiße Wände, ein paar
bunte Sessel wie aus dem Jünger-Wohnen-Katalog, helle Holztische, Computer auf den Schreibtischen:
So sieht eine preiswert eingerichtete Rechtsanwaltskanzlei aus. Eine Couch zum Hinlegen steht nicht
im "Gegenwind"-Büro. Dabei weisen Reinhild Hölter und ihr Kollege Stefan Trobisch ausdrücklich darauf
hin, dass sie als Psychoanalytiker an die Leute herangehen, die ihre Hilfe brauchen: Opfer der DDR-Diktatur. (...)
Was die beiden Psychoanalytiker hier hören, muss oft auf sie wirken wie die realsozialistische
Variante einer Kafka- oder Fallada-Erzählung. Welche Folgen der DDR-Terror für Gefangene noch heute hat,
können beide in einer Serie spröder psychologischer Begriffe ausdrücken: Depressionen,
Schlafprobleme, Angstzustände.
(...) Reinhild Hölter hat schon manche Lebensgeschichte wie die folgende gehört: Einer mit
Anfang 20 war aufsässig, renitent, hat sich vielleicht in der Kirche engagiert oder sogar einen
Ausreiseantrag gestellt und ist der Stasi aufgefallen. Er merkt dann, dass er beobachtet wird.
Er kommt in Untersuchungshaft. Den Vorwurf, der ihm gemacht wird, kann er nicht verstehen. Er wird
viele Stunden lang verhört. Er wird verurteilt. Er hat seit Wochen, seit Monaten seine Frau, seine
Freundin, Familienmitglieder nicht mehr gesehen. Er hat nichts von ihnen gehört - nur von den
Stasi-Leuten, dass sie in Schwierigkeiten sind. Oder dass sie nichts mehr von ihm wissen wollen.
Er wird in der Zelle bespitzelt. Als politischer Häftling ist er in der Gefängnishierarchie so viel
wert wie ein Kinderschänder. Er wird abgeschoben in den Westen, irgendwann in den siebziger Jahren.
Er erlebt eine Zeit ohne Beschwerden. Dann belastet ihn irgendetwas. Dann kommen die
Depressionen, die Schlaflosigkeit, die Erinnerungen an die demütigenden Verhöre. Er wird krank,
verliert vielleicht sogar seinen Job. Er scheitert. (...)
Frankfurter Rundschau
Die Stasi auf den Fersen
Beratungsstelle hilft Opfern des DDR-Geheimdienstes
03.02.1999
(...) Zehn Jahre nach ihrem Niedergang macht die DDR Hartmut Kühn immer noch
fertig. Ein Fall für Stefan Trobisch. Der Psychologe redet von posttraumatischer Belastungsstörung,
von Bewußtmachung und emotionaler Verarbeitung - und meint DDR-Opfer. Trobisch leitet mit seiner
Kollegin Reinhild Hölter die psychologische Beratungsstelle "Gegenwind". Die Klientel: politisch
Traumatisierte der DDR-Diktatur. (...) "Die Willkür hat den Menschen den Boden unter den Füßen
weggeschlagen", sagt Stefan Trobisch. (...)
Der Spiegel
Altlasten der Seele
21.06.1999
Neue Studien decken die Gesundheitsfolgen des SED-Terrors auf. Viele,
die die Stasi einst drangsalierten,
leiden noch heute unter Depressionen, Verfolgungswahn und Todesangst. Nur wenige Therapeuten sind bereit,
sich der Opfer anzunehmen.
(...) Nur ein gutes Dutzend Berliner Psychiater und Psychotherapeuten haben Erfahrung
mit den seelischen Verwüstungen, die die DDR hinterließ. Noch schlechter ist die Lage in den
neuen Bundesländern, wo es oft gar keine Therapeuten gibt, die sich mit den Leiden der Stasi-Verfolgten befassen möchten.
Deswegen führt Stefan Trobisch oft lange Telefongespräche quer durchs Land. Trobisch
ist Psychologe und betreibt seit knapp einem Jahr in Berlin eine Beratungsstelle für Stasi-Opfer (...)
"Wie ein hochempfindlicher Seismograph" reagiere sein Beratungszentrum auf die
politische Lage in Ostdeutschland, erklärt Trobisch. "Vor jeder Wahl geht es unseren
Patienten miserabel. Wir können den Andrang dann gar nicht bewältigen."
Während eines jeden Mauerschützenprozesses verbringen viele Patienten wochenlang
schlaflose Nächte: aus Angst vor der Erinnerung - und weil jeder Freispruch eines Täters,
wie es Trobisch ausdrückt, "ihnen als ein Schlag ins Gesicht vorkommt". (...)



